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DEICHKIND und gute, nicht gänzlich unbekannte Freunde, feiern eine Benefiz-Gala zugunsten der Familie von Sebastian „Sebi“ Hackert.
18.09. Oberhausen – Arena (Benefiz-Gala)



DEICHKIND präsentiert:
„Papa Professionell“
Die Benefiz-Compilation zu Ehren von Sebastian Hackert

Label: BUBACK TONTRÄGER, VÖ: 19. März 2010
Vertrieb: INDIGO (Deutschland) / HOANZEL (Österreich) / NATION MUSIC (Schweiz)

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TRACKLIST
1. Tabula Rasa - Intro Exululo Exundo Ohrus
2. Miss Platnum - Mercedes Benz
3. Deichkind - Krieg
4. Ferris MC - Tanz Mit Mir
5. Nobelpenner - Fuck The World, Olé!
6. Jansen & Kowalski - Highclass Bitch
7. Fünf Sterne Deluxe - Ja, Ja...Deine Mudder!
8. Madsen - Goodbye Logik (Stratus/Coron IV Remix by Deichkind)
9. Mediengruppe Telekommander - Mein Herz
10. Fettes Brot - Schwule Mädchen
11. Eins Zwo - Schön, Daß Es Euch Gibt
12. Das Bo - Ich Hab Rap Für Dich
13. KC Da Rookee - Rookee Of The Year (Square One Remix)
14. International Pony - Hangin Around 02
15. Wagner Love - Bigger Than You
16. Square One - Countdown
17. MIA - Zirkus (Plain Pleasure Mix)
18. Jennifer Rostock - Kopf Oder Zahl (Deichkind Remix Edit)
19. Tabula Rasa – Erwachen

In Gedenken an Sebastian Hackert. Für Kaia und Johan.

Das Paradies. Kristallklare Flüsse, majestätische Seen, überall wimmelt es nur so von Fischen. in nächster Nähe befinden sich mehrere Fachgeschäfte mit allem, was man braucht. Der Mann deckt sich also mit den edelsten Geräten ein, geht an den Fluss und sieht prompt eine Forelle. er wirft sie an und nach einem kurzen Drill keschert er eine achtpfündige Bachforelle. Der nächste Wurf bringt ihm eine Äsche mit 65 cm, dann fängt er eine Regenbogen von 14 Pfund. so geht es weiter. Jeder Wurf ein kapitaler Fang, keine Verweigerung der Fliege, kein Problem beim Drillen, kein Gebüsch, in dem die Fliege hängen bleiben könnte. Seufzend ergibt sich unser Fliegenfischer seinem Schicksal: „Das muss die Hölle sein!“ Sebastian Hackert war Fliegenfischer. Dass diese Linernotes mit einem der ältesten Fliegenfischer-Witzen beginnt, müsste ihm eigentlich gefallen. einem Witz, dessen Pointe sich fast so langsam entfaltet wie der Ruhm der wirklichen Grossen ...
Fliegenfischer machen es sich nicht einfach. Und sie haben es auch nicht gern, wenn es ihnen zu einfach gemacht wird. Viele Fliegenfischer verbringen z.B. Stunden damit, ihre Köder auf eine art zu wickeln, die jede Spinne vor Neid erblassen lässt. Die ganz harten unter ihnen bauen sich Angelruten aus gespleisstem Bambus. Das muss man aber nicht. Denn gleichzeitig wird dieses typische Männer-Hobby von einem echten Hi-Tech-Fetisch geprägt. Sündhaft teure rollen mit fein regulierbaren Scheiben- bremsen, Übersetzungsgetriebe oder automatischer Schnureinholung sind ebenso verbreitet wie eigenhändig, aus einem Alublock auf der heimischen Drehbank gefertigte Einzelstücke. Das kostet seinen Preis. Und Sebi war immer gewillt, diesen Preis zu bezahlen. Selbst Begriffe wie „Loops” und „Backing” klingen seltsam vertraut, und es ist vielerlei Hinsicht bezeichnend, das Sebi als Ausnahmeproduzent irgendwann bei dieser „höchsten Kunst des Angelsportes“ gelandet ist. Wenn in der Profession die eigene Leidenschaft das letzte Limit darstellt, bedarf es eines ähnlich anspruchs- vollen und vielseitigen Hobbys – eines ausgleichs, der ebenso wie die Studioarbeit eine Liebe zur Technik, zum Handwerk und zur Sache an sich voraussetzt.
„Papa Professionell” zeigt, dass Sebi nicht nur beim Fliegenfischen die vermeintlichen Hindernisse, Limitierungen und Fehler auf dieselbe art für sich zu nutzen wusste wie das reibungslose Zusammenspiel der Kräfte und den produktiven Clash aus Tradition und Moderne. „Papa Professionell” ist ein Tribut, eine Erinnerung und ein Lebenszeichen. eine Zusammenstellung, die es einem in ihrem Wildwuchs nicht zu leicht machen will - denn das ist der halbe Spaß.
Es beginnt wie es beginnen muss: Mit Tabula Rasa. Sebis erster Band - lange bevor er nach Hamburg kam, lange vor Deichkind und Boogie-Park – die Flensburger Keimzelle. Ihre beiden Tracks, „Intro Exululo Exundo Ohrus” und die Outro „Erwachen” entstammen einem grösseren Archiv von alten, auf CD und Vinyl unveröffentlichten Aufnahmen. Was für die Zukunft hoffen lässt ...
Der überwältigende Rest von 17 Tracks besteht zum grossen Teil aus Produktionen für die Familie und das direkte Umfeld. Fünf Sterne Deluxe, Ferris MC, Eins Zwo, Fettes Brot, Das Bo - Hamburgs feinste Rapper fliessen formvollendet auf Beats & Pieces im Mix von Sebi. Das sind keine Tracks von der Rap-Resterampe sondern Hits, die deutschen HipHop geprägt haben: „Ja, ja, deine Mutter”, „Tanz mit mir”, „Schön dass es euch gibt”, „Ich hab rap für dich”, „Schwule Mädchen”. Deichkind wählen aus ihrem riesigen Fundus das unerwartet schroffe, kämpferische „Krieg”, um Sebis unschätzbare Verdienste für den Sound der Band möglichst laut, klar und wütend zu verdeutlichen.
Dazu kommen noch ein paar Exilkinder und Vagabunden, Wanderer zwischen den Welten, Typen wie Jansen & Kowalski, KC Da Rookee und Nobelpenner - letztere mit ihrer Hymne „Fuck The World, Olé!”, eine der aktuellsten arbeiten von Sebi. Weil sie deutlicher den Rahmen des Üblichen sprengen konnten, zeigen aber insbesondere die Remixe und „Fremdproduktionen” noch mehr Facetten seiner Arbeit. Da lebt der elegante Disko-schleicher „Hangin‘ around ‘02” von International Pony in friedlicher Koexistenz mit „Mein Herz”, dem anarcho-primitiven elektropunk- Rausschmeisser der Mediengruppe Telekommander. Oder die rappelnde Indie- Dramatisierungen des Stratus Coron iV-Remixes von „Good Bye Logik”, im Original von Madsen, trifft auf den Rummelplatz-Ragga von Miss Platnums „Mercedes Benz”.
Im Vergleich zu den Originalen oder anderen Produktionen derselben Künstler wirken Sebis Mixe mutiger und gleichzeitig sauberer, präziser, sehr definiert. Und das ist keine Audio-Alchemie für Hifi-Nerds, das ist ein Liebesdienst an der Musik und ihrem Endkunden. Das ist genau das, was jeder hört, ohne in den meisten Fällen überhaupt zu bemerken, warum das eigentlich so gut ist. sein Remix von „Kopf oder Zahl” für Jennifer Rostock musste beispielsweise während des Masterings aus Rücksicht auf den Rest der Single wieder leiser gemacht werden. Manchmal war Sebi eben einfach zu gut.
All das, auf CD von DJ Rabauke respektvoll und sauber, ohne grosses Brimborium gemixt, präsentiert einen „Papa Professionell” wie er in den Herzen seiner Freunde, Kollegen und Fans weiterlebt.
Natürlich kann kein Song dieser Welt zum Ausdruck bringen, was jeden einzelnen bewegt, wenn er an Sebastian Hackert oder Sebi Professionell denkt. In ihrer Gesamtheit sind diese Tracks aber zumindest Ausdruck der grossen Liebe, die uns alle über Zeit und Raum verbinden wird. Lost in music ...
Stellvertretend für viele lässt uns André Luth, langjähriger Freund und Begleiter, zum Schluss noch etwas deutlicher an seinen Gedanken teilhaben. „Wenn ich an Sebi denke, dann erinnere ich mich an einen Mann, der es mit dem Konrad Adenauer-Motto „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ sehr genau genommen hat. Zum Beispiel im Studio mit Fettes Brot.
Ein Tag, eine kurze Gardinenpredigt:
„Männer, keine Musik verschenken!“
Nächster Tag, rückwärtsrudert:
„Männer, ich hab mich informiert, Musik verschenken ist die Zukunft.“
Tags drauf:
„Wenn ich länger drüber nachdenke: alles nur auf Vinyl rausbringen.“
Ach, der Sebastian Hackert, der hatte immer soo recht.“

Hamburg/Berlin, 8. November 2009, Lars Brinkmann.




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